Multimodale Mitarbeitermobilität bei Roche: Wie das Großunternehmen ohne Dienstwagen nachhaltig und effizient mobil bleibt.
Julian Hennig (Roche) und Judith Häberli (Urban Connect) präsentierten auf der CMxC – Corporate Mobility Conference 2025 eindrucksvoll, wie ein Großkonzern Mobilität neu denkt – ganz ohne Dienstwagen, aber mit nachhaltigem Impact.
Warum verzichtet Roche komplett auf Dienstwagen?
Inmitten der Verkehrswende setzt Roche in Basel ein Zeichen: 12.000 Mitarbeitende, ein Stadtareal – und kein einziger Dienstwagen. „Die Zukunft passiert bei uns heute schon“, kommentierte Julian, Mobility-Verantwortlicher bei Roche, während seines Vortrags auf der Corporate Mobility Conference 2025. Gemeinsam mit Judith Häberli von Urban Connect zeigten sie, wie Roche seit über acht Jahren ein durchdachtes multimodales Mobilitätskonzept implementiert – und warum es weit mehr ist als nur ein Infrastrukturprojekt.
Wie funktioniert multimodale Mitarbeitermobilität bei Roche?
Das von Urban Connect mitentwickelte System integriert verschiedene Mobilitätsangebote: E-Bike-Sharing, Carsharing, Mobility Budget, ÖPNV-Kooperationen und digitale Buchungsplattformen. Häberli skizzierte die Plattform als „eine App für alles – für Mitarbeitende, für Admins, für den Überblick“. Carsharing-Fahrzeuge (u.a. Polestars und Microlinos) sowie geteilte E-Bikes stehen an Mobility Hubs bereit. Der gesamte Mobilitätsmix ist digital abgebildet, nutzbar via App – von der Dienstfahrt bis zur privaten Wochenendreise.
Julian betonte: „Unsere Autos fahren zu 30 bis 40 % der Zeit – das ist ein Vielfaches gegenüber privat besessenen Fahrzeugen. Damit sind wir nicht nur effizienter, sondern bieten echten Mehrwert.“
Welche Regeln gelten bei Roche für Mitarbeitermobilität?
Roche koppelt die Parkplatzberechtigung an die individuelle ÖPNV-Reisezeit. Nur Mitarbeitende mit mehr als 45 Minuten Anfahrt (Tür-zu-Tür) dürfen einen Parkplatz beantragen. Für andere gibt es 40 CHF Mobilitätsbonus monatlich – „de facto ein Mobilitätsbudget“, so Riedl. Zusätzlich zahlen Mitarbeitende mit Parkberechtigung eine Tagesgebühr.
Besonders sensibel geht Roche mit Sonderbedarfen um: Schichtdienste, Pflegeverpflichtungen oder körperliche Einschränkungen führen zu Ausnahmen. „Wir wollen nicht verbieten, sondern mitdenken“, stellte Julian klar.
Was war der größte Erfolgsfaktor?
Laut beiden Speakern: Partnerschaft. Judith Häberli lobte die „iterative Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ mit Roche – ohne Standardlösung, aber mit gemeinsamer Entwicklungsfreude. „Wir sind oft belächelt worden für B2B-Mobilität – heute bewegen wir mehr als jedes B2C-Modell“, sagte sie stolz.
Julian ergänzte: „Das Erfolgsrezept? Kein Tool von der Stange, sondern Lösungen, die sich an unsere Prozesse und Menschen anpassen.“
Welche Maßnahmen stehen als nächstes an?
2025 steht der Start eines öffentlichen Mobility Hubs in Basel an – zugänglich nicht nur für Roche-Mitarbeitende, sondern auch für Anwohner:innen. „Der nächste Schritt ist die Öffnung – Urban Connect geht mit, obwohl es eigentlich nicht in ihrer Strategie liegt“, freute sich Julian.
Gleichzeitig wird das Mobilitätsbudget ausgebaut, neue Verkehrsträger integriert und das Nutzererlebnis weiter optimiert. „Unsere Aufgabe ist es, Mobilität so einfach wie möglich zu machen. Sobald Nachdenken erforderlich ist, verliert man die Leute“, sagte er.
Die wichtigsten Learnings aus dem Roche-Vortrag
Was ist das Besondere an Roches Mobilitätskonzept?
→ Kein einziger klassischer Dienstwagen für 12.000 Mitarbeitende – stattdessen multimodale Lösungen.
Wie wird entschieden, wer parken darf?
→ Über ein klares ÖPNV-Zeitmodell: Nur bei über 45 Min. Anfahrt gibt es Parkberechtigung.
Welche Alternativen bietet Roche?
→ E-Bike- und E-Auto-Sharing, ein 40 CHF Mobilitätsbonus, ÖPNV-Integration, digitale Plattformnutzung.
Wie erfolgreich ist das Carsharing-Modell?
→ 8300 Buchungen pro Jahr, 30–40 % Auslastung, Ziel: Kostendeckung 2025.
Welche Auswirkungen gibt es auf das Verhalten der Mitarbeitenden?
→ Viele verzichten bewusst auf ein eigenes Auto – durch multimodale Anreize und passende Angebote.
Wie arbeitet Roche mit Urban Connect zusammen?
→ Enge, iterative Partnerschaft auf Augenhöhe – ohne Standardlösungen, mit hoher Flexibilität.
Wohin entwickelt sich das Modell weiter?
→ Öffnung für Öffentlichkeit, Ausbau des Mobility Hubs, mehr digitale Integration und Reporting.

